Archiv der Kategorie: Reiselogbuch

AshtrAyArt

ein halbes leben im glas, aus dem fenster kommt ein funke.

die sirenen meiden die verlierer. und doch sehen wir ins blaue.

keine zeit zu verlieren, das hamsterrad lässt grüßen.

niemals waren wir so weit. vorne.

und doch.

ganz ganz ziemlich. doll.

am ende.

gut, dass es so schöne aschenbecher für zigarettenasche gibt.

oder war es eine bonbon schale?

Frankreich mal wieder mit dem Dicken

 

Jetzt, wo es draußen langsam mal echt sowas wie Winter gibt, macht es irgendwie Spaß nochmal an den Restsommer zu denken. Ich war ja so schrecklich traurig, dass wir tatsächlich das „Ende der Saison“ miterlebten. Punkt 01.09. um 00:00 kosteten die Tickets für eine Kayak- Fahrt auf der Drome mal eben 20 Euro weniger (für zwei Personen). OKEEE. Aber hey. Wenigstens hatten wir so das Mittelmeer fast für uns alleine. Im Gegensatz zum Atlantik ganz zu Beginn.

 

Da trafen wir auch auf die sogenannten Wanderdünen ….  und auf MASSEN von Menschen. Das liebe ich ja … wenn mensch nirgends, wirklich nirgends einen Parkplatz findet, außer auf so mega übersandigen Böden, wo der Dicke dann fast drin stecken geblieben wäre. Aber hey. So hab ich mal echte Wüste erlebt. Schon beeindruckend. Aber auch langweilig. Und heiß war es. (SOMMMER EY XD) Ein Mann hatte einen Kreislaufzusammenbruch. Das war kurz ein wenig zu aufregend für mich. Aber es ging ihm schnell wieder besser, nachdem der Freund von Harti mal die glorreiche Idee äußerte, dem Mann Wasser zu geben und irgendwie mit Kleidung und Menschen Schatten zu erzeugen.

Das war am Atlantik irgendwo… also nachdem wir von Köln einmal quer über Rue d’Atlantique durch ganz Frankreich getuckert sind. In knapp 11 Stunden. Nach 12-13 hatte ich auf jeden Fall meinen Wein und den ersten französischen Käse im Bauch. Harti ist durchgefahren und ich hab versucht nicht all zu anstrengend zu sein…. Wir sind zuerst auf so eine kleine Touri- Insel (für teuer Geld) bei La Rochelle. Der erste Badeversuch war auch eher…. naja. Harte, spitze, kantige Steine und Wasser, dreckig bis zum Knöchel. Der nächste Spot war besser, aber es war zu dunkel um noch ins Wasser…  bzw waren wir einfach nur fertig.

Eigentlich war der Plan, in die Pyränen zu fahren. Weshalb genau wir dann noch kurz an den Atlantik vorher sind, weiß ich nicht, aber SO ist Harti eben noch nie in den Süden gefahren. Immer mal wieder was Neues machen. Also war schon gut. Die Atlantikküste war aber echt nicht sooooo der Hit. Alles einfach teuer und voll. Mit meinen Minimal- Komfort- Vorstellungen hing das bestimmt nicht zusammen…. (am besten ganz alleine, direkt am Wasser mit Klo und natürlich alles für lau. Und bloß nicht so viele nervige Touristen, wie wir.)

Also sind wir eher von einem Ort zum nächsten „geflüchtet“ (eines morgens wurden wir auch von lieben, netten Polizisten geweckt), aber wir haben immer tolle Orte gefunden. Waren jeden Tag mindestens zweimal mit den Wellen kämpfen. Feuer zu machen, hab ich mir aber mal lieber verkniffen. (Waldbrandstufe 100 oder so…)

Frankreich mal wieder mit dem Dicken weiterlesen

…über Liebe

„Ich halte nichts von Liebe als Gebot, als Suche.  Sie muss zu einem kommen, wie eine hungrige Katze an die Tür.  “ (Charles Bukowski)

wohin geht die reise? wer bist du, was willst du?  laut einem buddhistischen Psycho-internet-schnell-selbsttest steht die Liebe für mich an oberster Stelle, gleich danach das Geld und dann die Karriere. Erst dann kommt die Familie und ganz, ganz weit unten. Das Selbstwertgefühl. Puh… naja. bis auf die drei in der mitte,  passt es ganz gut….

derweil ist es regnerisch, ein wunderschön grauer Tag, fernab von den neuigkeiten, der abgründe und einweggassen der menschlichen zivilisation. Corona fickt uns alle. aber solange die wirtschaft aufrecht erhalten bleiben kann, solange können wir auch in ruhe sterben.

ah nee… die betten in den Krankenhäusern haben noch genug platz.

hach der zynismus. immerhin. mein lebenselexir. heute ist mir nicht nach realistischem optimismus. heute bin ich durch und durch melancholisch. schon zu shakespeares zeiten waren das die am verloren geglaubtesten seelen. die mit einer schwarzen galle. oder so ähnlich.

immerhin hab ich die liebe. und meine träume und gedanken. bis das der tod uns scheidet.

und dann?

Geträumte Utopien vs. Realitätswahnsinn

Wie schaff ich es, nicht an der bestehenden Scheiße kaputt zu gehen und mir die Hoffnung zu bewahren, dass es bald besser wird.

Hey Realität! Realität: Was geht?

Realität! Sag du mir, wie es geht.

Vielleicht knall ich mich einfach zu, dröhn mich voll oder lass mir Tabletten verschreiben, die mich sedieren und das alles ertragen lassen.

Hey Realität? Wozu brauchst du mich?

Realität: Zu viele lassen mich im Stich.

Aber ist es nicht so, dass ICH allein meine Realität erschaffe? Bin ich dann nicht selber Schuld, wenn ich das Gefühl habe, alles sei beschissen. Beschäftige ich mich mit den falschen Dingen?

Hey Realität! Wieso bist du wie du bist?

Realität: Dass es kaum noch zu ertragen ist?

Ok. Also dann fliehe ich aus der Innenstadt, aus den Clubs, den Theatern und Kinosälen?? Oder ich höre ganz auf zu arbeiten und lebe als Eremit umgeben von grüner Natur inmitten von Wiesen und Wäldern? Eskapismus. Hedonismus. Liberalismus. Jej.

Oder ich schreie selbst erdachte Mantren und tanze nackt in der U-Bahn.

„Wir werden bald die Welt bewegen und uns den Gesetzen entheben.

Wir werden bald die Welt verändern und über rosarote Wolken schlendern.

Wir werden bald die Welt auch retten und alle befreien von ihren Ketten.“

Danach finde ich mich womöglich bald wieder in einer psychiatrischen Einrichtung wieder, wobei ich dann wenigstens mal unter normalen Menschen wäre.  Geträumte Utopien vs. Realitätswahnsinn weiterlesen

Segeln auf der Ostsee

Ein guter Freund lebt nun seit drei Jahren im Sommer auf einem Segelboot. Der LIA. Die Kosten für seinen alten Wagen waren doch zu groß, als dass es sich bei dem Einkommen irgendwie gelohnt hätte, das weiter durch zu ziehen. Da hätte er auch zur Miete wohnen können… Die Idee kam ihm und obwohl er keine Ahnung vom Segeln hatte, zog er es in relativ kurzer Zeit durch. Segeln lernen, Boot kaufen, ausbauen, los. Zumindest kam mir das so vor…. Vielleicht dauerte es insgesamt auch drei Jahre von der Idee zur Umsetzung, aber Zeitempfinden ist ja immer so eine Sache. wenn nich sowieso diese ganze Zeit total erfunden….

Dieses Jahr jedenfalls hatte ich nicht mehr genügend Ausreden, nicht mitkommen zu können. Er hatte ja auch bewiesen, dass er der Sache mächtig ist.  Und er war allein auf dem Boot. Und er lag in Ueckermünde, meinem Heimathafen quasi, genau zu der Zeit, als ich da auch mal wieder umher eierte in der Gegend. Also „musste“ ich mal ein paar Tage mit.  Und alle Bedenken und Ängste und Sorgen verflogen sofort, als ich meinen ersten  Fuß auf die LIA setzte und P.  und L.  dabei zusah, wie sie ihre beiden Boote fertig machten zum Ablegen vom nicht ganz legalen Anlegeplatz kurz vor der Hafeneinfahrt der Stadt, direkt neben einem Yachthafen.

Platzangst, die Angst vor zu viel Nähe,  Respekt vor der Naturgewalt des Windes und des Wassers und andere Arten von Kopfkino beschäftigten mich die Tage zuvor.  Ich war echt aufgeregt und meine Bedingung war, dass wir nur in Küstennähe blieben. Geht auch gar nicht anders auf der Ostsee bzw dem Stettiner Haff, wie mir dann auffiel. Zumindest nicht in vier Tagen von dem Ort aus, von dem wir starteten.  Kurz nachdem wir ablegten, verflogen all meine Ängste gemeinsam mit dem wind, der mir ins Gesicht peitschte.

Beim Umherklettern auf dem Deck hatte ich eine Schwimmweste an und sollte mich mit Karabinern an der Reling einharken. So konnte gar nichts passieren. Es war warm, die Sonne strahlte, der Himmel war blau. Das Meer und die Wellen hatten  eine absolut bombastische Wirkung auf mich. Gegen Ende turnte ich sogar völlig ohne Sicherung umher, weil ich mir sicher war, dass ich wieder an Bord kommen würde, selbst wenn ich ins Wasser plumpste.

Die Segeltheorie interessierte mich genauso, wie möglichst viel zu segeln. Wenden, Segel hoch, Segel runter, links (backbord) -rechts (steueRbord) und zwischendrin Ruhe, Gespräche über Gott und die Welt, Kaffee, einen Keks, paar Nudeln und dann wieder bissel Action. Ph. erklärte mir, das das Segeln je nach mensch so oder so angegangen wird. Er gehöre zur Art der „lazy sailor“, sein Freund L. mit seinem Boot, WARDI, kommt aus dem Segelsport. Da gibt es stetig was zu tun und zu optimieren. Segeln, so merke ich schnell, ist wie so vieles in dieser Welt. Eine Wissenschaft für sich.

Die erste Nacht legten wir in Swinemünde an. Nach einer kurzen Runde durch die Stadt und einer leckeren Brotzeit, konnte ich auch echt gut schlafen. Wir diskutierten, wie weiter. Morgens versuchte Ph. mich nochmal davon abzubringen, sich auf den weiteren Weg zu machen. Wir mussten 12 Stunden entgegen des Windes kreuzen, bei wenig bis gar keinem davon. Die Alternative wäre, auf bessere Bedingungen zu warten, den Tag am Strand zu verbringen und einen Tag später los. Das wollte ich aber auf gar keinen Fall. Ich wollte ja segeln und die Zeit war knapp….

Am Ende waren wir 17 Stunden bis in die Nacht hinein unterwegs. Wir starteten um 07:00 vom Swinemünder Hafen und segelten einmal die Usedomer Küste entlang bis zum Hafen der Greifswalder Oi, an dem wir gegen 01:00 anlegten. An Land darf man an dieser Mini- Insel nicht als normaler Mensch. Die Vögel schienen uns das auch dementsprechend deutlich zu machen. Ein wenig gruselig war das schon. Auf alle Fälle extrem spannend dieser Tag, gegen Ende. Zwischendrin war mir auch mal  mega langweilig, aber trotzdem alles in allem  erstaunlich, wie die Zeit dann doch herum gegangen ist, ohne dass ich völlig am Rad gedreht bin.

 

Anfangs ging mir ordentlich die Pumpe, es kamen einigermaßen große Wellen auf uns zu und die LIA wackelte und schwankte wie verrückt. Wir wurden auch ein wenig nass. Als wir aber aus dem Hafengebiet heraus waren, wurde es ruhiger bis irgendwann gar kein Wind mehr war. Ich meinte noch, man müsse den Göttern Rum opfern, aber Ph. weigerte sich. Er meinte, wenn dann müsse man guten dazu nehmen. Mein dreiviertel Lübzer Pils sorgte vielleicht immerhin dafür, dass wir irgendwann heil ankamen… wer weiß…

Der nächste morgen im Vogelparadies. Unser Boot war gar nicht zugeschissen und ich konnte wieder echt gut schlafen.  Es folgte ein weiterer toller Segeltag. Diesmal hatten wir bisschen bessere Windverhältnisse.  Es war gut, dass wir den Tag zuvor Strecke gemacht hatten, denn in zwei Tagen wollte Ph. in Stralsund sein, um dort ein paar Zimmermänner auf der Walz einzusammeln. Er hatte sie das Wochenende zuvor in Hamburg kennengelernt und bot ihnen an, sie mit Richtung Norden zu nehmen.

 

L. hatten wir verloren, obwohl er uns anfänglich ein gutes Stück voraus war.  Er ankerte gegen Abend vor der Küste Usedoms, weil er Probleme hatte und Sachen reparieren musste. Nach einem entspannten 7 Stunden Turn erreichten wir eine südliche Bucht von Rügen und ankerten vorm Hafen. Ich wollte gerne an Land, mal festen Boden unter den Füßen spüren. Ph. machte mir sein Schlauchboot fertig und gab mir die Paddel. Ich hatte keinen Schimmer, wie man sowas fährt. Mein linker Arm machte irgendwas und im Kopf ruderte ich immer vorwärts, was dazu führte dass ich dann am Ende im Kreis fuhr. Ich bekam mich nicht mehr ein vor lachen. Auf der Rücktour mit keinem Beobachter und mehr Ruhe, ging es schon besser. Man konnte das fast rudern nennen…. Ich war nicht lange auf dem Land. Wind und Wetter machen echt fertig. Plus Sonne. Plus ein Ph. Aber toll, toll, toll. Alles toll. Auch das Pissen über die Reling, bei krassem Wellengang.

L. war spät am Abend auch in der Bucht gelandet, sodass wir am nächsten morgen wieder gemeinsam starteten. Bis nach Stralsund waren es dann nur noch wenige Augenblicke. Ich turnte vorne am Heck umher und sang, tanzte und schrie vor Glück. So müsste man eigentlich immer leben….

Wir kamen also mega entspannt und zeitlich bequem in Stralsund an, sodass wir noch einen Tag und Abend dort hatten. Die Jungs konnten sich eindecken für den nächsten längeren Turn und ich verabschiedete mich dann auch schon wieder…. Ph. feierte seine 5000 Meilen gebührend, traditionelles Besäufnis an Land, nenne ich das. Gründe gibts immer…. Wir trafen sogar echte Punks. Ich war gerührt. Alles wie früher, nur viel besser.

War dann aber auch echt ausreichend für meine erste Segeltour. Zumal ich mir von nun an das Boot mit drei Menschen hätte teilen müssen. Kann gut gehen, muss aber nicht. Besonders nicht, wenn sonst keine Frauen dabei sind und viel Zeit in Verbindung mit Alkohol im Spiel ist… und damit meine ich nicht, dass die anderen schwierig werden XD

….

 

 

 

Der Zahn der Zeit…

Das schöne am Verfall. Die hinreißende Poesie der Vergänglichkeit menschlicher Zivilisation.

Entwicklungen und Stillstand.
Neueroberung, Rückgewinnung, Renaturalisierung.

Abenteuer Gemeinschaft, utopische Träumereien.

Zukunftsängste, Machtverschiebungen, Strukturwandel. Gesellschaftlicher Aufstieg, Zivilisatorischer Abstieg.

Die Geisteswissenschaften und die freie Liebe am Ende. Naturwissenschaften bis ins kleinste zerlegt.

Die Umöglichkeit das große Ganze zu sehen, die Zusammenhänge, Verbindungen und das Gleichgewicht im Ungleichgewicht.

Die Möglichkeit Ruhe im Strubel zu finden, sich innen anders zu sehen und das Außen neu zu erfinden.

Alte Räume, neue Ideen, statt aufgeben und passiv, aggressiv den Nachbarn zu übersehen.

Ignoranz ist die schlimmste Unhandlung gegenüber dem Leben. Selbst Hass schafft mehr Vernetzung.

Gefühlschaos, unreflektierter Dogmen.

Nicht in der alten Welt stecken bleiben.

Der Zahn der Zeit… weiterlesen

Verdi Protest für Solo- Selbstständige

Vor knapp zwei Wochen unterstützte ich auf Anfrage ein paar Kolleg*innen in Düsseldorf vor dem Wirtschaftsministerium. Die allermeisten kamen wegen Corona und die damit einhergehenden Honorarausfälle echt ins stocken. Einige durften das erste Mal spüren, wie es sich als Bittsteller gegenüber dem Staat anfühlt. Scheiße. Ohne eigenes Verschulden bekamen viele eine Idee davon, wie Hartz IV sich anfühlt.

Die Sofort- Hilfen von 9.000 Euro für sogenannte Betriebskosten sollten eigentlich auch für den Lebensunterhalt verwendet werden dürfen. Die meisten, die das betrifft haben nähmlich keinen Betrieb in dem Sinne und auch keine Kosten. Sie werden gebucht, bringen sich und ihr Werkzeug/ Instrument oder nichts mit und tun, was gewünscht wird. Vor langer Zeit hieß sowas Tagelöhner, vor nicht all zu langer Zeit auch mal Ich- AG. Natürlich sind die Bedingungen hier und da, ein wenig besser.  Work hard play hard, heißt aber eben manchmal auch hart gefickt.

Eigentlich gut, dass es dann diesen komischen Staat gibt. Aber was tun, wenn auf einmal alle schreien: Systemrelevant!! Ich brauch Geld. Mehr Geld. Wovon sollen wir leben? Ja…. wovon. Leben denn Obdachlose, die Geflüchteten, die 3 Millionen Sklaven? Vielleicht hilft es, wenn an irgendeiner Stelle mal jemand an das große Ganze denkt.

Und umdenken. Was brauche ich wirklich zum Leben, was bedeutet Luxus, wie viele Auto muss ich fahren oder Häuser besitzen oder generell konsumieren? Wenn ich in einer Mietwohung mit Terrasse und Pool in der Innenstadt wohnen muss, dann brauch ich mich am Ende nich wundern, dass das in Krisenzeiten vielleicht bissel viel ist. Wie dem auch sei. Ich will gar nicht unterstellen, dass viele Menschen in der Kreativbranche zu viel verdienen. Aber für das Anpassen von Farben 800 Euro zu bekommen (am Tag), finde ich doch recht überzogen.

Wiederum andere Menschen in Jobs mit riesiger Verantwortung der Gesellschaft gegenüber (Lehrer, Kommunal- Politiker,  freiwilige Helfer, etc) verdienen nichts bzw. vergleichsweise wenig. Damit will ich mitnichten sagen, ColorGrading sei nichts wert oder der Arzt muss noch mehr verdienen. Nein, was mich stört, sind diese immerwährenden Ungerechtigkeiten innerhalb dieses Systems und diese seltsamen Wertigkeiten.

Warum können Menschen nicht unabhängig von Geld und Leistung alle zusammen in einer Welt leben. Ohne permanenten Druck, Konkurrenzkampf und stetiger Angst vor der nächsten Krise. Das System, wie wir es haben, muss nicht so sein, wie es ist. Das will ich eigentlich nur sagen. Und mir gab diese Krise mal wieder recht.

Ich lege nicht viel wert drauf, viel zu verdienen und arbeite in einer Institution, die es per Gesetz gibt, also unabhängig vom Markt existiert. Natürlich sind wir die Lügenpresse und zwingen Menschen dazu, uns zu zahlen. Aber im Zweifel bekommen sie weitestgehend unabhängige Berichterstattung. Totale Objektivität gibt es nicht, aber die Grundpfeiler sind das Grundgesetz und nicht das Gesetz des freien Marktes.

Zurück zum Protest. Die Kreativbranche am Leben zu erhalten ist super wichtig. Ohne Künstlerinnen und Freiberufler würde vieles nicht funktionieren. Auch im WDR.

In diesem Sinne. Her mit dem guten Leben! Weg mit Hartz IV. Und…. PS: Faul sein ist eine Tugend und keine Sünde. Früher nannte mensch das Muße. Das gilt für mich. Nicht für die meisten fleißigen Bienchen, die Ich- Betriebe.

Tunesien auf der Meta – Ebene

Meta heißt irgendwas was mit „drüber“ und kommt aus der Philosophie. Meta- Physik bezeichnet ganz klassisch die Beschäftigung mit Dingen, die man nicht sieht.  Da ich nun schon lange wieder in Deutschland bin, fand ich den Begriff ganz passend. Ich sehe zwar die Bilder, aber nicht alles kann ich festhalten. Somit bin ich auf mein Errinnerungsvermgen, mein geistiges Auge angewiesen.

Also es war intensiv, anstrengend, aufregend und langweilig zu geich. Mich hätte es mal wieder viel schlimmer treffen können. Natürlich blieben viele Wünsche und Vorhaben unerfüllt. Ich dachte auch, dass ich mega motiviert kreativ ausrasten würde.  Oder zumindest Yoga machen jeden Tag.

Aber die Motivationsspritze wurde bei mir nicht angesetzt. 

Meine Highlights waren die kleinen Dinge…. außerhalb. Das harmonische Miteinander zu dritt zum Beispiel, oder die netten Nachbarn. Die Verkäufer und Händler auf dem Markt, die mich am Ende alle kannten, weil ich da fast jeden Tag langlief. Nachdem ich die Jungs davon überzeugt hatte, dass ich meinen persönichen Freigang brauche, komme was wolle.

Hitler zu sehen, war allerdings äußerst irritierend. Aber der scheint im Rest der Welt (Indien insebsondere) als eine Art Gott, Held oder großer Mann verehrt zu werden. Sehr sehr seltsam. Wie dem auch sei… auch das ging vorbei. Was gab es noch?

Fisch aus Dosen, Sardinen zu meist. Oscha. Eine Art Omelett mit Paprika und Tomaten. Generell dieses Essen. Nicht sehr vegan. Käsig und fischig. Aber sehr lecker. Und deftig. Die Jungs aus der ersten WG, etwas außerhalb, in einem Armenviertel, was eigentlich mal für Wohlhabende vorgesehen war, nahmen mich den einen Abend mit zu Lablebi essen. Ich hatte keinen blassen Schimmer und sagte nur freudig, ja klar, auf die Frage, ob ich das Essen wollen würde. Ich war nur froh wieder was neues zu erleben. Tunesien auf der Meta – Ebene weiterlesen

Quarantäne auf Tunesisch

Wo war ich stehen geblieben?

Ach ja, Freitag der 13.3. Weltweiter Shutdown.  Am Anfang wollte ich das alles gar nicht begreifen, ich verstand gar nichts und dachte, die Krise würde mich, wie so viele andere gesellschaftliche und medien-gemachte Krisen, auch dieses Mal verschonen. Anscheinend sollten alle Deutschen Reisenden in den nächsten Tagen zurück kommen. Das wollte ich aber auf gar keinen Fall. War ja gerade erst angekommen.

Außerdem konnte ich ja immer noch alles tun. Hatte ich gehofft. Aber nichts da. Alle Veranstaltungen und Konzerte wurden abgesagt. Bars und Restaurants schlossen nach und nach. Die Lebensmittelläden und Supermärkte waren um 16:00 dicht und ab 18:00 gab es sogar eine komplette Ausgangssperre. In der Theorie. Ich musste natürlich das mal ausprobieren, aber dazu später mehr.

Soweit also die Auflagen. Das gesamte öffentliche Leben war im Prinzip ausgesetzt. Kein Flugverkehr.

Mein eigener Bewegungsradius verkleinerte sich sukzessive von Tag zu Tag. Gott sei Dank waren wir in einer netten Bude eines Freundes, in der wir es uns gut gehen ließen. In mitten der Altstadt. Der Medina. Rundherum gab es alles, was man zum Leben brauchte.

Anfangs kamen sogar noch Freunde zu Besuch, mit denen wir gemeinsam den ganzen Tag jamten. Die Jungs rauchten einen Joint nach dem anderen und ich hatte Bier organisieren lassen. Oder wir saßen draußen in einem Cafe in der Sonne und tranken Kaffee.

 

Ab dem 17.3. ging dann gar nichts mehr. Ich durfte auch tagsüber nicht mehr draußen umher laufen. Die Jungs hatten auf einer App gesehen, welche Gebiete „Corona-verseucht“ waren. Diese galt es dann zu meiden. Leider gehörte auch unser Schnapsladen dazu. Also gab es kein Bier mehr, aber dafür Wein vom Monoprix. Essen bekamen wir früh am morgen auf dem Markt. Im Prinzip fehlte es uns an nichts und wir hatten großes Glück, dass wir ohne nervigen Hick Hack alles schnell bekamen.

Die Jungs passten gut auf mich auf. Nach ein paar Tagen völligster Isolation zu dritt und maximal eine Stunde Ausgang, bekam ich einen Rappel. Erst hieß es auch ich sollte am 21.3. zurück fliegen, geplant war der 28.3. weil danach dann erst ab dem 11.4. oder so offiziell Flüge gingen. Dem war aber nicht so.

Ich fühlte mich wenig beachtet und bekam einfach die Krise, weil ich es nicht gewöhnt bin, so abhängig von anderen zu sein. Ich hasste diesen Zustand nicht zu wissen, was richtig ist oder es abschätzen zu können, wie hoch das Risiko ist, wenn ich mich nicht an Regeln halte. In Deutschland kann ich mich gut aus dem meisten herausreden und Notfalls gibt es Anwälte.

In Tunesien sieht die Welt anders aus. Es ist sicherlich noch eines der sichersten und liberalsten Länder Nordafrikas, aber man sagte mir des öfteren, ich solle bloß nicht alleine irgendwo umherlaufen. Viel zu gefährlich.

Nach meinem emotionalem Absturz bekam ich mehr Aufmerksamkeit, sie bemühten sich auf Englisch zu reden und bezogen mich mehr ein. Ich durfte vor um 16:00 auch alleine vor die Tür. Das war ein ungemein tolles Gefühl von Freiheit.

Die Zeit verging insgesamt erstaunlich schnell. Und fast war ich traurig, als ich die Nachricht am 2.4. bekam, dass am nächsten Tag Flüge zurück gehen sollten. Ich war innerlich schon auf Mitte April eingestellt und hatte vor, noch einiges zu produzieren. Diese Situation ausnutzen, um mit mir in Kontakt zu bleiben. Ich war gerade fein mit allem, da endete es aprubt. Aber so ist immer so bei mir….

 

 

 

Freitag der 13.

… oder der Anfang vom Ende …

Der Tag war seltsam, ereignisreich und voller irritierender Wendungen. Gefühlsachterbahn inklusive. Erst ganz spät am Abend fiel mir auf, dass es ein 13. Freitag war und dem Aberglauben nach ist das ein Pechtag. Als ich das erzählte, mussten alle lachen.

Aber wie kommen wir dahin wo ich jetzt war?

Tunis: Morgens fuhr ich mit Walid nochmal in die City, weil wir beide unsere Ladekabel bei dem Freund letzter Nacht vergessen hatten. Ich schrieb einen Zettel mit der Bitte, sich zu melden, wenn Oumeima und ihr Freund nach Sousse aufbrechen wollten.

In der City trafen wir einige Freunde und Bekannte und gingen dann in eine versteckte Bierbar. Walid versuchte die ganze Zeit die Leute zu erreichen mit denen ich auf reisen gehen sollte, aber keine Antwort. Dann hieß es, die Fahrt fällt flach, dann telefonierte ich mit Oumeima, um heraus zu finden, was jetzt Sache ist. Sie meinte, ich solle sofort kommen und dann ginge es los.

Also organisierte mir Walid ein Taxi und ich fuhr zurück. Etwas später saßen wir in einer Mitfahrgelegenheit und gegen 20:00 kamen wir irgendwo an, wo uns ein Freund empfing und zu sich nach Hause brachte. Wir wollten raus gehen und am nächsten Tag sollte die Trance Party sein. Aber Corona machte uns einen Strich durch die Rechnung.

Nach vielem hin und her und zwei weiteren Autofahrten fanden wir uns in einem schönen Haus, in einem kleinen Ort weiter, namens Sidi Buali. Es gab Bier vom Schwarzmarkt, immerhin und Musik. Der Abend war echt nett, ich fand dann auch einen tollen Ort, an dem ich schlafen konnte. So ein kleines Kämmerchen mit Fenster und Matratze und voller Party- Deko.

Mich wunderte ein wenig, dass so junge Leute in so schicken großen Häusern wohnen. Aber eigentlich schlau, nicht zur Miete wohnen zu müssen.


Ich feierte die Musik und tanzte auf dem Balkon. Dann hieß es irgendwann gegen frühen Abend Aufbruch zurück nach Tunis. Und kein Bier.. aber ein toller Sonnenuntergang im Auto und leckere Sandwiches. Nach einiger Diskussion und einem kurzem Einkauf.

Man wollte mich nicht allein einkaufen und das Essen machen lassen, also mussten sie dann wohl oder übel mit mir mitkommen. Ich war schon auf dem Weg nach draußen, quasi. Im Mini- Supermarkt fand ich dann Estrella Damm, eine spanische Biersorte. Wenn auch ohne Alkohol, aber besser als gar nichts. Ein Hoch auf den Placebo- Effekt.

In der Wohnung von Achmed, Hakim und dem Grafikdesigner mit seiner Freundin Oumeima kommen viele Freunde Abends zu Besuch. Man zockt Fifa, raucht viel und hört Musik oder guckt tunesische Comedy- Serien. Walid meinte, die wären total schrecklich.

Die Jungs sind alle, nebem ihrem Filmstudium, in der Kreativbranche als Freelancer tätig. Hakim arbeite gerade an einem Werbesong für ein Programmierkurs. Das Equipment bestand aus Laptop, Interface und Mikro. Die „Sprecherkabine“ befand sich neben dem Schreibtisch in der Zimmerecke und bestand quasi nur aus dieser Ecke, die mit Schaumpolster beklebt war. Ich war begeistert.

DIY. Überall. Man braucht kein teures Equipment, um gute Sachen zu produzieren.