Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

Oder:

Wo wir sind ist vorn, und wenn wir hinten sind, ist hinten vorn.

Die Trivialitäten des immer wieder kehrenden Kreislaufes, voll undurchsichtiger Gedanken, inhaltleerer Wortspiele und bürgerlichen Kopfschranken. Was machen die mit uns?

Die fortwährenden Appelle und Mantren der Leistungsgesellschaft, Personalentwickler*innen und Fortschrittsmanager*innen. Die, die wissen wohin es geht, reiten uns mit vollem Elan und absurd grotesk guter Laune eines Animateurs einer All- Inclusive- Anlage in Marrokko, in den Abgrund. Echte Täuschungen werden zu allseits geglaubten Wahrheiten und zwischendrin schieß ich dich ab mit billigem Rotwein oder einer Wegwerfkamera. Dann jauchzen wir vor Extase Euphorie und eingebildetem Glück , gefangen in der Illusion, der Welt und Realität weit entrückt. Eingebettet im Ikeabett , davor ein kuschelig warmer Flokati vom Flohmarkt.  Es brennen Kerzen, wie romantisch, im Fernseher schreien Zombies. Netflix erklärt dir, dass Tiere essen radikal ist und fragt sich wie laut man noch werden muss, damit alle wach werden. Gebannt glotzen wir hinein in eine vermeintlich unabänderliche ohnmächtige Zukunft.

Dann ein Telefon, der Wecker wir müssen mehr Sport treiben. Also raus aus dem Fernseher und rein in irgendeinen anderen Käfig, um dort dann, wie Legehennen in Legebatterien in in Reihe geschalteten Hamsterrädern weiter zu laufen, immer weiter und weiter und weiter in den Abgrund hinein. Hier eine Push-Mitteilung, du hast 7 km geschafft. Erdogan lässt Zivilisten ermorden, Ostdeutschland fällt auf das Süßholzraspeln der neuen Faschisten rein, die klug wie sie sind, einfach behaupten, der wahre Faschismus käme von links. Was man so einfach auch gar nicht widerlegen kann, wenn Faschismus heißt, Menschen, erstmal lieber ein paar zu viele als zu wenige, zu ermorden. Dann ein Gefühl im Bauch. Darf ich jetzt schon was essen? Was sagt die App dazu?

Nein, erst noch die nächsten Plena, Seminare und Vorlesungen, Essays und Streitschlichtungen, dann Essen aus dem Müll retten und dabei knapp einer Ingewahrsamnahme der Polizei entkommen. Gut, dass ich so charmant und eloquent bin und es verstehe, den männlich gelesenen, aber auch den weiblichen, verlorenen Seelen, das Gefühl von Halt und Verständnis, ein Fünkchen Liebe vorzutäuschen. Alles aus reinem Eigeninteresse, höre ich die Neoliberale Front schreien. WENN JEDER ZU ERST AN SICH DENKT; IST AN ALLE GEDACHT: Ja, die Kinder freuen sich. Wenn Mama und Papa sich um sich kümmern, können die sich alleine erziehen. Das wird sicher nicht schief gehen.

Zurück in Netflix, endlich mal wieder. Totale Immersion. Ich hab meine Ruhe und ungesehen kann ich jetzt auch endlich mal ein Schwein schlachten, das Blut trinken und mich in seinen Organen welzen. Klar, bin ich vegan. Wie sonst sollen wir die Welt retten? Dazu gibt’s noch ein Gluten- und Laktosefreies Leberwurstsorbet. Und ein paar Zwergenpornos, in denen auch Kinder nicht zu kurz kommen. Schön durchgefickt von ein paar Hirntoten Ungetieren in Priester- und Polizistenkostüm. Ein Genuss. Dann wieder der Wecker. Das Hamsterrad ruft.

…. ich will hier raus.  Vorwärts immer, rückwärts nimmer! weiterlesen

Das Geheimnis der Glücklichen

Wie kann ich nur? Mir anmaßen, glücklich zu sein? Wie kannst du nur, deine Pflichten vernachlässigen? Wie können wir nur, nicht an die Zukunft denken? Wie kann ich nur, so weiter machen?

Wenn ich mich so umsehe, erscheint mir die Welt gar nicht so schlecht. Es ist ruhig, die Menschen gehen einkaufen, ein paar mehr Obdachlose liegen vor den Konsumtempeln, aber da will ich mich heute nicht drum scheren. Sie sind ja nicht wegen mir dort. Ich kann ja nichts dafür, Teil eines ungerechten Dreckssystems zu sein, in denen Geld in Massen vorhanden ist, aber für die Lebensnotwendigkeiten der meisten, immer keines da.

Aber darum will ich mich heute nicht kümmern. Ich bleibe im gehetzten Gewusel einfach mal stehen und schaue in den Himmel,. Ich sehe die Bäume, höre die Blätter, ertaste die Äste und rieche die Zweige, hindurch scheint die Sonne. Welche eine Wonne. Und welch beschissener Reim, ich glaub ich pack ein. Bin keine der Unternehmenden, und ewig strahlenden, ich stehe einfach im Weg. Ausnahmsweise mal den anderen gerade und nicht immer nur mir.

Heute mache ich einfach, was mir gefällt, denn all zu viel haben wir nicht mehr von dieser Welt, deswegen scheiß ich auch drauf meine Pflichten zu erfüllen, die einzige Pflicht die wir haben, ist uns glücklich zu machen. Vielleicht auch hin und wieder etwas geben, ohne zu nehmen. Aber gute Momente Tanken und festhalten, inmitten des alltäglichen Wahnsinns, das sollte es als Schulfach geben. Das brauchen wir zum Leben. Ich scheiß drauf, was die anderen um mich jetzt denken. Die Verrückten sollten mal anfangen, das Geschehen zu lenken.

Lebenskunst! So heißt eine Vorlesung an der philosophischen Faklutät dieses Semester. Ja, das Leben ist vielen entglitten, so scheint es. Aber auch das System ist überfordert. Zumindest seine Rädchen. An allen Ecken und Enden modert und stinkt es, aus allen strukturellen Löchern und Ritzen. Aber ich bleib einfach stehen im Gewusel und trinke mir billigsten Fusel.

Ich höre auch nicht auf mit den schlechten Reimen, ich liebe es  die Wörter so billig aneinander zu leimen. Die sind auch immer noch befallen mit den Keimen. Bis sie immun werden. Ich bin es ja auch, zunehmend. Immun gegen eure ich-müsste-sollte-hätte-könnte Krankheiten. Ich mache es einfach. Ohne zu zögern, ohne zu fragen. Bleibe ich stehen. Und lass es geschehen.  Das Geheimnis der Glücklichen weiterlesen