
Jetzt, wo es draußen langsam mal echt sowas wie Winter gibt, macht es irgendwie Spaß nochmal an den Restsommer zu denken. Ich war ja so schrecklich traurig, dass wir tatsächlich das „Ende der Saison“ miterlebten. Punkt 01.09. um 00:00 kosteten die Tickets für eine Kayak- Fahrt auf der Drome mal eben 20 Euro weniger (für zwei Personen). OKEEE. Aber hey. Wenigstens hatten wir so das Mittelmeer fast für uns alleine. Im Gegensatz zum Atlantik ganz zu Beginn.

Da trafen wir auch auf die sogenannten Wanderdünen …. und auf MASSEN von Menschen. Das liebe ich ja … wenn mensch nirgends, wirklich nirgends einen Parkplatz findet, außer auf so mega übersandigen Böden, wo der Dicke dann fast drin stecken geblieben wäre. Aber hey. So hab ich mal echte Wüste erlebt. Schon beeindruckend. Aber auch langweilig. Und heiß war es. (SOMMMER EY XD) Ein Mann hatte einen Kreislaufzusammenbruch. Das war kurz ein wenig zu aufregend für mich. Aber es ging ihm schnell wieder besser, nachdem der Freund von Harti mal die glorreiche Idee äußerte, dem Mann Wasser zu geben und irgendwie mit Kleidung und Menschen Schatten zu erzeugen.

Das war am Atlantik irgendwo… also nachdem wir von Köln einmal quer über Rue d’Atlantique durch ganz Frankreich getuckert sind. In knapp 11 Stunden. Nach 12-13 hatte ich auf jeden Fall meinen Wein und den ersten französischen Käse im Bauch. Harti ist durchgefahren und ich hab versucht nicht all zu anstrengend zu sein…. Wir sind zuerst auf so eine kleine Touri- Insel (für teuer Geld) bei La Rochelle. Der erste Badeversuch war auch eher…. naja. Harte, spitze, kantige Steine und Wasser, dreckig bis zum Knöchel. Der nächste Spot war besser, aber es war zu dunkel um noch ins Wasser… bzw waren wir einfach nur fertig.

Eigentlich war der Plan, in die Pyränen zu fahren. Weshalb genau wir dann noch kurz an den Atlantik vorher sind, weiß ich nicht, aber SO ist Harti eben noch nie in den Süden gefahren. Immer mal wieder was Neues machen. Also war schon gut. Die Atlantikküste war aber echt nicht sooooo der Hit. Alles einfach teuer und voll. Mit meinen Minimal- Komfort- Vorstellungen hing das bestimmt nicht zusammen…. (am besten ganz alleine, direkt am Wasser mit Klo und natürlich alles für lau. Und bloß nicht so viele nervige Touristen, wie wir.)

Also sind wir eher von einem Ort zum nächsten „geflüchtet“ (eines morgens wurden wir auch von lieben, netten Polizisten geweckt), aber wir haben immer tolle Orte gefunden. Waren jeden Tag mindestens zweimal mit den Wellen kämpfen. Feuer zu machen, hab ich mir aber mal lieber verkniffen. (Waldbrandstufe 100 oder so…)

So sind wir dann die Küste runter, vorbei an den Dünen (haben noch gute Freunde von Harti mit deren Kindern getroffen) und dann endlich!!! Berge!!!! WOOOOW. Wie abgefahren. Das allererste, was Harti gemacht hat, als wir an unserer ersten Stelle ankamen, (war so ein Kompromiss, weil es dunkel wurde…) nackt in den Fluss. Das war auch die Challenge und Ansage im Vorfeld gewesen. In so vielen kalten Bergflüssen baden, wie geht. In jedem am besten. Und ich hab das dann nach unserer ersten richtigen Hammertour auch liebend gern gemacht. War echt gar nicht so ein riesen Ding. Die Vorfreude, Dreck und Schweiß vom Wandern und Kraxeln abgewaschen zu bekommen, war einfach größer. Und mittlerweile bin ich geübte Sauna (Marathon) Gängerin. Also alle 15- 20 Minuten eine kalte Dusche. Easy.

Ach ja… die erste Tour, war im Nachhinein die krasseste Tour, die wir gemacht haben. Gut, dass ich das vorher nicht wusste. 6-7 Stunden waren wir unterwegs, bis zur Baumgrenze und noch weiter. Auf dem Schild stand 3,5h. Ich dachte, die meinen damit hin- und zurück. … Nope. Aber es war erstaunlich ok. Ich war nur zwei Mal bisschen am Jammern und es war von allem was dabei.

Kühe, Ziegen, wenig andere Wanderer. Eine Quelle. Ein Wasserfall. Wildes Thymian. Dschungel. Steine. Steile Hänge. Alles, wirklich alles, was mensch als ziemlicher Anfänger so erleben kann. Ein Abschnitt war echt tricky. Musste auf allen vieren, rutschiges Geröll hoch (und wieder runter). Es war der Hammer. Ich dachte ganz am Anfang, als wir los sind, wir wären nach zwei Stunden wieder da. Hatte nichts zu Essen oder Trinken dabei gehabt. Ich hab Harti noch nie so sehr geliebt, als er dann oben AAALLES aus seinem Rucksack zauberte. Ich ma wieder. Vollprofi XD

Zurück war auch ein langer Weg, aber ich hab mich echt nur versucht auf den Abstieg und jeden Schritt zu konzentrieren, hab die Natur um mich herum ab und zu einen Moment im Stehen aufgesaugt, um dann weiter zu stapfen. Der Muskelkater am nächsten Tag war erstaunlicherweise total ok.

Ich bekomme nicht mehr alles im Detail zusammen, das würde hier auch den Rahmen sprengen. Aber wir hatten auf jeden Fall noch zwei, drei weitere tolle Touren. Eine einfache „Touri- tour“, zu so einer hängenden Brücke über einer Schlucht. Gorge de L’Holzarte, wen es interessiert. Ein Foto dieser Brücke im Reiseführer war auf jeden Fall der Grund für die Reise, Harti meinte. Dahin! Zu der will ich. Am Ende war er dann doch ein gaaaaanz bisschen enttäuscht, aber ich hatte Spaß und hab für Fotos posiert.

Ein paar Menschen hatten tatsächlich Höhenangst und waren super vorsichtig sich-am-drüber-schieben. Ich war erstaunt, wie easy mir das fiel, da oben umher zu schaukeln. Mir war vollkommen klar, dass das zu 10000% sicher ist. Wenn die da jeden Tag hunderte Touris rauf lassen, MUSS die halten. Und ich kenne Europa nun auch so gut, dass ich ziemlich sicher bin, dass die das regelmäßig checken (müssen). Zumindest hatte ich vollstes Vertrauen. Und nach einer knappen halben Stunde sollte die Tour schon wieder vorbei sein…. Die meisten Menschen (auch sehr vulominöse und dem Herzinfarkt-nahe-aussehende) waren froh nach den 20-30 Minuten steilen Anstieg wieder runter zu dürfen. Aber wir doch nich…

Dann hatten wir noch eine recht anstrengende Tour. Ich weiß nicht mehr, sie war nicht für totale Anfänger, aber auch viele Leute da. Bis zu einem See. Ganz oben haben wir ein Mädchen kennengelernt, die den ganzen Sommer da alleine lebt und sich um die Schafe kümmert. Ohne Alles. Nur mit sich und der Natur und den Tieren natürlich. Das beeindruckte mich… Achso. Wir haben uns auch ziemlich verlaufen auf dieser Tour, aber waren dann doch so vernünftig nochmal ein gutes Stück zurück zu gehen und nicht weiter auf gut Glück sich seine eigenen Wege suchen….. ich war natürlich drauf und dran und quasi schon dabei, ließ mich dann aber von Harti schnell überzeugen (und auch von mir….)

Zu guter Letzt wollten wir noch eine Tour aus dem Reiseführer ausprobieren, weil mir der Name gefiel. Gorche de la Frau. Da hatten wir beide absolut nix mitgenommen an Wasser oder Proviant, und ich nach 10-15 Minuten schon keinen Bock mehr. Es war viel zu steil, also wirklich mega krass übersteil – sodass ich es teilweise einfacher fand auf allen vieren das zu machen… und dann ging es in Serpentinen durch Wald und Gestrüpp. Die Route war irgendwie nicht mehr in Benutzung, was auch so ein Grund war, warum ich nicht ganz so scharf drauf gewesen bin, wobei es ja eigentlich auch spannend war und auch ein ganz klein wenig unheimlich. Wir mussten über umgestürzte Bäume und uns echt umsehen nach den Markierungen. ….

Harti spornte mich an, also kroch ich weiter diesen Berg hoch und irgendwann als er dann keine Lust mehr hatte, weil die Markierungen irgendwie aufhörten, und wir auch nur durch relativ langweiligen Wald gestapft sind, hatte es mich dann doch gepackt und ich ermutigte ihn nun wiederum, noch ein- zwei Serpentinen und dann noch ein bisschen. Bis wir wirklich irgendwann völlig verloren auf einer Lichtung umher stolperten. Durch die Bäume konnte man erkennen, dass sich dahinter so etwas wie eine Schlucht hätte befinden müssen. Ich hielt meinen Impuls, bis an den Rand zu schauen, aber zurück… und dann erklärten wir diese Tour für beendet. Außerdem hatten wir echt Hunger und Durst, nach gefühlten zwei Stunden Aufstieg.

Auf dem „Rückweg“ unserer gesamten Reise, sind wir noch kurz auf dem Weg nach Crest für eine Nacht am Mittelmeer vorbei, auf Höhe Montpellier an einem wunderschönen Parkplatz im Industriegebiet. Wir standen direkt am Wasser, ganz alleine und auch legal, meine ich. Harti hielt mich davon ab im Brackwasser zu baden (für mich sah das aus wie Haffwasser XD) und überzeugte mich im richtigen Mittelmeer mit ihm baden zu gehen.

In Crest besuchten wir dann noch einen guten, alten Freund von Harti. Er und seine Familie wohnen da schon eine ganze Weile. Die Kinder sind in Marseille geboren und werden zweisprachig groß gezogen, was ich total cool finde. Bei Crest haben wir auch nochmal ne ordentliche Tour gemacht und einen Abend Lagerfeuer im Flussbett der Drome, Picknick mit den Kids, Yoga bei Sonnenuntergang, Gitarre und Wein (4 me). Mega. Alles, alles toll. Ich war so unglaublich dankbar und glücklich mit allem. Wir sind beim Kayak- Fahren ganz kurz vor Ende unseres Urlaubs, sogar noch auf eine Klippe geklettert und von 4-5 m ins Wasser gesprungen. Das hat im Bauch gekribbelt und Überwindung gekostet. Kreischen inklusive.

Tja …so war’s… in aller „Kürze“.