
… oder ich kam nach Tunesien. Walid, ein guter Freund aus Köln, lud mich dorthin ein. Ich hatte fast keine andere Wahl, er freute sich tierisch und ich sah das mal wieder als eine willkommene Abwechslung und angenehme Flucht aus dem Alltagstrott. Der, zugegebenermaßen, bei mir recht selten ist. Walid meinte, ich müsste nur den Flug bezahlen und sonst nichts. Was so nicht stimmte. Ich geb sehr viel Geld aus. Aber das ist mir noch egal… zumindest ließ er nicht locker und stellte sicher, dass ich wirklich kam.

Bevor ich startete, war nicht viel los mit mir und in Deutschland, außer Corona im Anmarsch und man fragte mich, ob ich denn wirklich verreisen wollen würde…. ich sagte, mir kann nichts passieren. So richtig Lust bekam ich aber erst, als ich dann im Flugzeug saß. Das könnte spannend werden. Wir wollten umherreisen und Videos/ Reportagen drehen. Doch dann kam ja bekanntlich alles anders.

Nun sitzen wir in Quarantäne, ich habe Tunis nur einmal kurz für eine Nacht verlassen. Da waren wir auf dem Weg zu einer Psytrance Party, die wurde dann leider abgesagt und auch alles andere gleich mit.

Aber der Reihe nach. Angekommen in Tunis empfing mich Walid am Flughafen und ich war tatsächlich erstaunt. Ich hätte nicht damit gerechnet. Das machte mich sehr froh und ich hatte ja keine Ahnung, wie anders Tunesien dann doch ist und wie wenig ich mit den Menschen kommunizieren kann. Englisch sprechen nur sehr wenige. Französisch, wenn ich Glück hab, aber sonst Arabisch bzw. eine tunesische Art davon
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Walid organisierte uns ein Taxi für 10 Dinar, dafür mussten wir ein wenig über Kreisverkehre und über Straßen laufen. Die Taxis direkt vorm Flughafen wollten 30 Dinar für eine Fahrt ins Stadtzentrum. Ich war total paralysiert und konnte gar nichts erzählen. Viel zu baff dann doch in Tunesien gelandet zu sein. Wir sprechen über vieles und Pläne haben wir auch viel, Walid und ich, aber umsetzten tun wir es dann selten. Nicht so meine Reise also…

Wir gingen dann in ein Cafe, ein Alternatives, wo sich viele Studenten, Künstler und Politaktivisten treffen. Während und vor der Revolution ein wichtiger Treffpunkt. Ein Freund von Walid erzählte mir, die Spitzel der Regierung wären super auffällig immer gewesen und er lachte dabei.

Dann fuhren wir weiter, etwas außerhalb des Stadtzentrums, zu Freunden, bei denen wir die nächsten Tage unter kamen. Zu meiner großen Enttäuschung gab es kein Bier mehr nirgends zu kaufen. Walid kochte für uns abgefahrenen Reis mit Spinat und Hühnchen. Also vegan leben ist hier unmöglich, vegetarisch auch, wenn man Käse als vegetarisch definiert. Es gibt viel Fisch (frisch und aus Dosen), Schmelzkäse, Harriessa (so scharfes Tomatenzeug in Öl) und Oscha, Ojee Oscha… irgendwie so was. Spannend alles auf jeden Fall und lecker war es. Aber kein Bier.

Unterhalten konnte ich mich nicht wirklich mit den Jungs. Ich wollte dann nochmal vor die Tür und Walid sah sich wohl in der Pflicht mich zu begleiten, was echt nicht nötig gewesen wäre, aber gut. Wir sind dann in die einzige zu Fuß zu erreichende Bar in einem Luxus Hotel. Da fuhr man mit dem Fahrstuhl hoch, nachdem man von Security abgecheckt wurde. Das war echt seltsam. Die Musik schrecklich, aber tanzbar.

Nach 4 Bier (0,33l) war ich betrunken genug, um mich nicht weiter drum zu scheren und tanzte ausgelassen in einer Ecke. Walid saß auf einem Stuhl daneben, der arme war echt fertig. Aber ich hatte noch viel Energie, die in Bewegung umgesetzt werden musste. Zwischendrin musste Walid nochmal Geld holen und kam mit einem Menschen zusammen zurück, der ihn zum nächsten Automaten gefahren hatte.

Als wir zurück nach Hause kamen, waren die Lichter bereits aus. Am nächsten morgen bzw. mittags gingen wir raus und tranken Cafe, und Orangensaft in einem Laden an einer vielbefahrenen Straße. Ich genoß die Sonne und wir machten aus, dass ich mit den Freunden von Walid mit zu der Technoparty nach Sousse fahren sollte. Walid wollte über das Wochenende einen Trailer für einen Film drehen.
