Meta heißt irgendwas was mit „drüber“ und kommt aus der Philosophie. Meta- Physik bezeichnet ganz klassisch die Beschäftigung mit Dingen, die man nicht sieht. Da ich nun schon lange wieder in Deutschland bin, fand ich den Begriff ganz passend. Ich sehe zwar die Bilder, aber nicht alles kann ich festhalten. Somit bin ich auf mein Errinnerungsvermgen, mein geistiges Auge angewiesen.

Also es war intensiv, anstrengend, aufregend und langweilig zu geich. Mich hätte es mal wieder viel schlimmer treffen können. Natürlich blieben viele Wünsche und Vorhaben unerfüllt. Ich dachte auch, dass ich mega motiviert kreativ ausrasten würde. Oder zumindest Yoga machen jeden Tag.

Aber die Motivationsspritze wurde bei mir nicht angesetzt. 
Meine Highlights waren die kleinen Dinge…. außerhalb. Das harmonische Miteinander zu dritt zum Beispiel, oder die netten Nachbarn. Die Verkäufer und Händler auf dem Markt, die mich am Ende alle kannten, weil ich da fast jeden Tag langlief. Nachdem ich die Jungs davon überzeugt hatte, dass ich meinen persönichen Freigang brauche, komme was wolle.

Hitler zu sehen, war allerdings äußerst irritierend. Aber der scheint im Rest der Welt (Indien insebsondere) als eine Art Gott, Held oder großer Mann verehrt zu werden. Sehr sehr seltsam. Wie dem auch sei… auch das ging vorbei. Was gab es noch?
Fisch aus Dosen, Sardinen zu meist. Oscha. Eine Art Omelett mit Paprika und Tomaten. Generell dieses Essen. Nicht sehr vegan. Käsig und fischig. Aber sehr lecker. Und deftig. Die Jungs aus der ersten WG, etwas außerhalb, in einem Armenviertel, was eigentlich mal für Wohlhabende vorgesehen war, nahmen mich den einen Abend mit zu Lablebi essen. Ich hatte keinen blassen Schimmer und sagte nur freudig, ja klar, auf die Frage, ob ich das Essen wollen würde. Ich war nur froh wieder was neues zu erleben.

Lablebi also. Das isst man hier eigentlich zum Frühstück. Wir aßen es abends um zehn, was mir auch nicht wirklich bekam. Wir teilten uns zu viert zwei Schüsseln Matsch aus zerbröseltem weißen Brot mit öligem heißen Fett, einem rohen Ei, Kichererbsen in Sause, Gewürzen und Thunfisch, glaube ich. Das kostete keine 2 Euro und ich war nach drei großen Löffeln papp- satt. Abgesehen davon hatte ich gar keinen Hunger. Aber das ja selten der Grund, warum ich esse.

Was mich auch sehr bewegte, waren die vielen umherstreunenden Katzen, wobei viele von denen echt nicht gut ausssahen. Es gab auch viele kleine Babykatzen, die schreiend und dreckig zersaut durch die Straßen liefen und ihre Mamas suchten. Das war herzzerreißend. Ich war drauf und dran welche mit nach Hause zu nehmen. Aber ich beherrschte mich.

Auch eine Schildkröte hätte ich fast gekauft. Gott sei Dank hatte ich die gute Ausrede, dass ich nur mit Handgepäck fliegen würde. Was so eigentlich auch nicht stimmte, aber was soll ich mit den ganzen armen Tieren in Köln, nur weil die süß sind? Ich kann die nicht versorgen bzw. will ich es auch nicht. Also weiter. Es wird ihnen an nichts fehlen. Ich kann mich nicht um alles Leid dieser Welt kümmern. So traurig das mal wieder war….

Was mich unheimlich glücklich machte, waren die Sonnenuntergänge auf dem Dach der Nebenwohnung. Ich durfte einfach mit einer Schnur die Türe öffnen und hochklettern.
Generell die Beziehung zu den Nachbarn war sehr nett. Man fragte sich gegenseitig ob man Dinge von draußen mitbringen sollte, lieh sich Gewürze und kochte für die anderen mit.Wir hingen zusammen abends rum, hrten Musik, schauten Filme und Videos. Mahmud war Palästinensa und hatte mit 10 Jahren seine ersten Kriegserfahrungen gemacht. Er meinte, die Corona Quarantäne errinnere ihn daran. Man ging auch nie raus, nicht mehr als nötig, aber sonst vertrieb man sich die Zeit mit Fernsehen, trinken, essen und gemeinsam abhängen. Unvorstellbar.

Alles in allem war es eine sehr intensive, auflschlussreiche und, trotz der Langenweile zwischendrin, eine dynamische Zeit. Ich hatte am Ende sogar kaum noch Angst nachts allein um den Block zu laufen.
Ich fühlte mich auf eine seltsame Art sehr geborgen und zu Hause. Auch wenn ich natürlich der Ultrafremdkörper war. Aber die Menschen feierten mich. Es nervt auch zuweilen, weil ich stets erstmal auf mein Äußeres reduziert werde und weil ich mich teilweise wie ein Ausstellungsstück gefühlt habe. Trotzdem war ich nie wirklich bedroht oder in Gefahr. Ich kann mittlerweile schnell und deutlich klar machen, wenn sich jemand verpissen soll.

Die Rückreise dauerte dann gefühlt ewig lang. Ich war erstaunt, wie viele Menschen noch zurück nach Deutschland wollten. Viele wurden auch abgewiesen, weil sie keine EU- Staatsbürger waren. Einige waren unverschämt und nervten die Beamten hart, stellten unverhältnismäßige Ansprüche oder taten extrem dumm. Wenn man z.B. schon das Glück hat mit der ganzen Familie nach Deutschland zu fliegen und es heißt, man kann nicht sagen, wann und wohin genau, dann wartet man einfach. Aber diese Menschen drängelten sich vor und fragten einen Mitarbeiter nach dem anderen immer wieder diesselben Fragen. Wann und wohin? Sie wollten da und dahin. Ein Mann sagte nur entnervt, heute geht es nach Deutschland. Seien sie froh.


Ich war froh, schaute mir das Spektakel mit innerem Kopfschütteln an und hoffte nur still, dass ich direkt nach Köln fliegen dürfte. Berlin und München waren mir aber genauso recht. Hauptsache weg hier aus diesem Getümmel.

Das Wetter war auch wieder echt schlecht. Es schüttete wie aus Eimern. Normalerweise regenete es in Tunesien um diese Jahreszeit nie. Aber aus irgendwelchen Gründen, wobei sicher nicht der Klimawandel, spielt das Wetter auch hier verrückt.

Diese alte Taxifahrerin faszinierte mich. Generell die Taxis. Öffentliche Verkehrsmittel fahren schlecht bis gar nicht. Man weiß zumindest nie wann und bis zur nächsten Station musste man eine halbe Stunde laufen, wenn man vom Vorort in die City wollte. Und dann war nicht gesagt, ob etwas fuhr. Ein Taxi sah schlimmer aus, als das andere. Manch eines war hingegen recht gepflegt. Wenn auch alle sehr alt waren.
