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Verdi Protest für Solo- Selbstständige

Vor knapp zwei Wochen unterstützte ich auf Anfrage ein paar Kolleg*innen in Düsseldorf vor dem Wirtschaftsministerium. Die allermeisten kamen wegen Corona und die damit einhergehenden Honorarausfälle echt ins stocken. Einige durften das erste Mal spüren, wie es sich als Bittsteller gegenüber dem Staat anfühlt. Scheiße. Ohne eigenes Verschulden bekamen viele eine Idee davon, wie Hartz IV sich anfühlt.

Die Sofort- Hilfen von 9.000 Euro für sogenannte Betriebskosten sollten eigentlich auch für den Lebensunterhalt verwendet werden dürfen. Die meisten, die das betrifft haben nähmlich keinen Betrieb in dem Sinne und auch keine Kosten. Sie werden gebucht, bringen sich und ihr Werkzeug/ Instrument oder nichts mit und tun, was gewünscht wird. Vor langer Zeit hieß sowas Tagelöhner, vor nicht all zu langer Zeit auch mal Ich- AG. Natürlich sind die Bedingungen hier und da, ein wenig besser.  Work hard play hard, heißt aber eben manchmal auch hart gefickt.

Eigentlich gut, dass es dann diesen komischen Staat gibt. Aber was tun, wenn auf einmal alle schreien: Systemrelevant!! Ich brauch Geld. Mehr Geld. Wovon sollen wir leben? Ja…. wovon. Leben denn Obdachlose, die Geflüchteten, die 3 Millionen Sklaven? Vielleicht hilft es, wenn an irgendeiner Stelle mal jemand an das große Ganze denkt.

Und umdenken. Was brauche ich wirklich zum Leben, was bedeutet Luxus, wie viele Auto muss ich fahren oder Häuser besitzen oder generell konsumieren? Wenn ich in einer Mietwohung mit Terrasse und Pool in der Innenstadt wohnen muss, dann brauch ich mich am Ende nich wundern, dass das in Krisenzeiten vielleicht bissel viel ist. Wie dem auch sei. Ich will gar nicht unterstellen, dass viele Menschen in der Kreativbranche zu viel verdienen. Aber für das Anpassen von Farben 800 Euro zu bekommen (am Tag), finde ich doch recht überzogen.

Wiederum andere Menschen in Jobs mit riesiger Verantwortung der Gesellschaft gegenüber (Lehrer, Kommunal- Politiker,  freiwilige Helfer, etc) verdienen nichts bzw. vergleichsweise wenig. Damit will ich mitnichten sagen, ColorGrading sei nichts wert oder der Arzt muss noch mehr verdienen. Nein, was mich stört, sind diese immerwährenden Ungerechtigkeiten innerhalb dieses Systems und diese seltsamen Wertigkeiten.

Warum können Menschen nicht unabhängig von Geld und Leistung alle zusammen in einer Welt leben. Ohne permanenten Druck, Konkurrenzkampf und stetiger Angst vor der nächsten Krise. Das System, wie wir es haben, muss nicht so sein, wie es ist. Das will ich eigentlich nur sagen. Und mir gab diese Krise mal wieder recht.

Ich lege nicht viel wert drauf, viel zu verdienen und arbeite in einer Institution, die es per Gesetz gibt, also unabhängig vom Markt existiert. Natürlich sind wir die Lügenpresse und zwingen Menschen dazu, uns zu zahlen. Aber im Zweifel bekommen sie weitestgehend unabhängige Berichterstattung. Totale Objektivität gibt es nicht, aber die Grundpfeiler sind das Grundgesetz und nicht das Gesetz des freien Marktes.

Zurück zum Protest. Die Kreativbranche am Leben zu erhalten ist super wichtig. Ohne Künstlerinnen und Freiberufler würde vieles nicht funktionieren. Auch im WDR.

In diesem Sinne. Her mit dem guten Leben! Weg mit Hartz IV. Und…. PS: Faul sein ist eine Tugend und keine Sünde. Früher nannte mensch das Muße. Das gilt für mich. Nicht für die meisten fleißigen Bienchen, die Ich- Betriebe.

Was tun. Wenn alles streikt.

Die guten Nachrichten zuerst: Der Hambi lebt!!! Die Osterinsel (ein Bauwagenplatz) wurde 15 Jahre alt. Das AZ wird 8. Bei mir zu Hause ist es schön und ich habe alles, was man sich wünschen kann. Freunde, Familie, warmes Essen und Wasser und jede Menge billiger Sonnenbrillen. 

Nun das schlechte: Das Cafe Chaos (ein unkommerzielles, selbstverwaltetes, unabhängiges Cafe in der Humanistischen Fakultät) kämpft mal wieder um seine Existenz und bei den Jusos übernimmt der „rechte“ Flügel die Macht. Jej. Da kommt Freude auf. 

Alles in allem ist also alles beim Alten: die Linken streiten sich und arbeiten sich kaputt. Die Mehrheit denkt nur an sich und ist froh über die Runden zu kommen. Man meckert über die da oben, den Nachbarn oder Hundekot auf den Straßen. Vandalismus steht für den nahen Weltuntergang. 

Und ich? Ich versuche mich nicht unterkriegen zu lassen. Von meiner schlechten Laune. Die hab ich nämlich mittlerweile zum Spaß. 

Heute auf dem Weg zur Uni. Die Kvb streikte mal wieder (zu Recht!!). Ich hab diesmal leider nix von gewusst. Bin wohl gerade wieder in meiner „Fick-dich-Welt“ Blase. Und dann der Regen und kurz vor der Deutzer Brücke verabschiedete sich auch noch mein Hinterrad. Was ein schöner Start. Gestern fiel mein Seminar aus und heute das. 

Ich nahm das alles aber mal ausnahmsweise nicht als Anlass mich wieder im Bett zu verkriechen. Mein Kampfgeist erwacht so langsam zusammen mit der Natur um mich herum. Ich sagte mir, scheiß drauf. Weiter machen. Das ist meine Prüfung. Für mich. Einfach weiter machen. Kämpfen. 

Wobei… kämpfen?? Ja. Für mich ist das ein Kampf.  Mit mir und meinen inneren Dämonen. Im Prinzip jeden Tag. Wär es anders, wär ich eine Pflanze. 

Wie dem auch sei. Ich spukte dem Regen entgegen und schrie dreimal ganz laut. Schon kamen ein paar nette Herren von der Verdi-Demo und halfen mir, sodass ich das Rad dann wenigstens schieben konnte. Also dann. Zu Fuß weiter. Immerhin ließ der Regen nach. 

Auf halber Strecke kam ich an einem Fahrradladen vorbei, in dem ich Hilfe fand. Die waren so nett mir mein Rad wieder festzuziehen. Yeah. Also weiter Richtung Uni. Nach nur 2,5h kam ich dann endlich da an. Bücher geholt, mit Kollegen über den normalen Wahnsinn und meine schreckliche Art Menschen zu nerven geredet und dann weiter auf die Wiese.   Was tun. Wenn alles streikt. weiterlesen