
Es ist verdammt schwer für mich, die Balance zu finden im Leben. Da erzähl ich mit Sicherheit auch nichts neues. Akut fällt es mir nur wieder umso mehr auf. Ich will im JETZT leben, aber auch eine Zukunft haben. Das ist ein Widerspruch in sich. Das JETZT ist oft gefährlich, ich stehe vorm Abgrund, spüre die Extase und Euphorie und mag nicht ans morgen denken.

Dann ist er da, der morgen und mit ihr kommt die Reue. Ach mist, ich wollt doch an meine Zukunft denken… das heißt dann aber leider auch, dass ich ab und zu funktionieren muss. Denn soviel ist sicher. Ich will noch sehr, sehr lange was vom Leben haben. 
Ich denke viel zu wenig an mich, bin immer nur für andere da. Das ist meiner Meinung nach auch richtig, bzw gibt es viel zu wenig Menschen, die auch an andere denken. Das ist gefährlich, denn Egoismus ist alles andere als gesund. Man schaue sich nur mal unsere Welt an. Wenn jeder zuerst an sich denkt, verliert man den Blick für das große Ganze, welches wir alle schön allmählich zerstören, denn ICH kann ja gut leben. Und die anderen sind scheiße, deswegen bin ich es auch. 
Wir brauchen einen Wechsel. In meinem Umfeld bekommen gerade viele tolle Menschen Kinder, das könnte mich eigentlich glücklich machen. Doch unsere aktuelle Regierung, die mit Sicherheit die unbeliebteste seit Kohl war, scheißt auf Klimaziele. Wenn wir, die erste Welt nicht HEUTE anfangen, weniger zu verbrauchen und zwar im großen Stil. Dh weniger CO2, weniger Atom, weniger Strom im allgemeinen, weniger Müll, weniger, weniger…. dann bekommen unsere Kinder ein riesen Problem. 
Doch wie macht man es alten Säcken, die in anderen Zeiten leben, verständlich? Man kann alte Sturköpfe nicht überzeugen. Wir können nur weiter dagegen halten und uns wehren, wenn sie wieder die nächste scheiße Beschließen (wer kommt nochmal für den Dieselskandal auf? … ach ja klar… wieder die Verbraucher, klar Konzernen kann man schlecht Geld wegnehmen, von denen sind wir ja alle abhängig- SIND WIR DAS???) 
Ich dreh durch, wenn ich mir darüber Gedanken mache. Die, die scheiße verbocken kommen mit einem blauen Auge davon. Die Gesamtkosten tragen wieder alle. Für solche Fälle ist der Staat dann auf einmal gut, wenn es um’s Steuern zahlen geht, nervt er nur. 
Wenn ihr mich fragt, können wir Deutschland direkt abschaffen. Nichts, wozu der Staat in meinen Augen gut wär, tut er noch. Energie ist privat, die Bahn ist privat, die Telekom, es gibt mehr und mehr private Schulen und das zu recht… privat ist das allheilmittel gegen alles. Wenn man es richtig angeht. Privat ist auch nicht gleich privat. 
Nun muss das private nur wieder politisch werden. Die Leute müssen begreifen, dass es unpolitisch nicht gibt. Man verhandelt jeden Tag aufs neue mit seinen Mitmenschen. Das ist Politik. 
Und wir müssen wieder die Gemeinsamkeiten sehen, die uns alle verbinden. Rein theoretisch haben wir noch eine reale Chance auf eine gute Zukunft. Wenn wir einsehen, dass Leben in einer gewaltfreien, solidarischen Gemeinschaft viel schöner ist. Menschen vereinsamen zunehmen, der ach so tolle Staat lässt sie im Stich. Die Nachbarn kümmern sich nen Dreck, denn es gibt ja wen der sich kümmert (in der Theorie). 
Das ist das schöne an diesen staatlichen Konstrukten. Man ist selber fein raus, wenn alles den Bach runtergeht. Man kann sich als Opfer fühlen und einfach jammern. Alle Welt ist gegen mich. Ich bin so arm und hilflos. Der böse Staat tut nichts. Dabei sind WIR es doch, die das alles mittragen. Wir wählen (oder eben nicht), wir schauen hin (oder eben nicht), wir helfen oder eben nicht. 
Verantwortung übernehmen, tolerant und trotzdem bestimmt. Das Ich muss nicht immer zwingend gegen das Wir sein. Es ist durchaus möglich, dass das ich zum Wir transformiert wird, indem ICH etwas für das WIR tue, fühle Ich mich toll. Dieses WIR muss jeder selber finden. Ich habe sehr viele verschiedene Wir. WDR, Uni, Familie, verschiedene Freundeskreise, dann gibt es die Vereine und so weiter…

Es ist leicht, sich hinzusetzen und zu schreien. Es ist leicht, aufzugeben, es ist leicht allen anderen die Schuld für dein beschissenes Leben zu geben. Doch ich mach es mir eben gerne kompliziert. Also schaue ich, warum ich eigentlich immer wieder in dieselben Situationen gerate. Dann erkenne ich, dass ICH es bin, die sich ändern muss. Und alles ändert sich mit… 
Zurück vom ich zum wir…